Am 14. April 2016 fand im Kardinal König Haus in Wien 13 der erste Infotag zum „Freiwilligen Ordensjahr“ statt.

Schon beim ersten Treffen stieß das Projekt auf großes Interesse: Frauenorden-Generalsekretärin Sr. Cordis Feuerstein und Koordinatorin Sr. Ruth Pucher konnte rund 40 VertreterInnen von Ordensgemeinschaften und die ersten zehn InteressentInnen begrüßen.

Fast ist man versucht zu sagen: Es herrschte volles Haus im Kardinal König Haus. Sr. Ruth Pucher, Koordinatorin und Mitinitiatorin des Projektes „Freiwilliges Ordensjahr“, hatte den ersten Infotag zeitlich zweigeteilt: Teil 1 diente dazu, interessierten Ordensgemeinschaften, nachdem sie intern eine erste kurze Ideenbeschreibung erhalten hatten, ausführlichere Informationen zukommen zu lassen. Teil 2 richtete sich an die ersten Interessentinnen und Interessenten, die mehr über die Rahmenbedingungen des „Freiwilligen Ordensjahres“ erfahren wollten.

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Mit dem ersten Infotag am 14. April war sozusagen der inoffizielle Startschuss gegeben worden (eigentlicher Projektstart ist im September 2016) – und das mit erfreulichem Ergebnis. Rund 40 Ordensgemeinschaften aus Oberösterreich und dem Großraum Wien (für Innsbruck gibt es einen Infotag am 27. April, für Graz am 19. Mai) waren ins Kardinal König Haus gekommen, um das „Freiwillige Ordensjahr“ von der Theorie in die Praxis zu begleiten.

Bereicherung für beide Seiten

„Das Projekt ist eine Frucht des JAHR DER ORDEN“, erzählte Generalsekretärin Sr. Cordis Feuerstein von der Vereinigung der Frauenorden Österreichs. “Wir wollen mittragen und mithelfen, nicht nur auf finanzieller Basis, dieses Projekt zu realisieren.“ Ziel sei gar nicht so sehr die Rekrutierung von neuen Ordensleuten, auch „wenn wir nichts dagegen hätten, wenn die eine oder der andere in der Gemeinschaft hängen bleibt“; vielmehr freue man sich auf den Blick von außen, der für viele Gemeinschaften sicherlich eine Belebung sei. „Beide Seiten können davon profitieren“, ist sich Generalsekretärin Feuerstein sicher. „Das gegenseitige Anteilnehmen und Anteilgeben ist eine Bereicherung.“

Auch Koordinatorin Sr. Ruth Pucher ist davon überzeugt: „Wir haben eine Win-win-Situation. Es begegnen sich zwei Welten, die sich gegenseitig etwas zu sagen haben, die sich gegenseitig in den Fragen nach der Zukunft unterstützen können.” Die Ordensjahr-Teilnehmer/innen erhalten die Möglichkeit, Ordensleben von der Innenseite her kennen zu lernen. Die Zeit in der Ordensgemeinschaft kann dazu dienen, eine Balance von Gemeinschaft, Gebet und beruflichem Engagement zu finden. Lebensentscheidungen können in dieser Zeit überdacht werden, neue berufliche Felder erprobt werden. Der persönliche Glaube kann Vertiefung erfahren.
Kein Urlaub, sondern echtes Mitleben

Eines soll ganz klar kommuniziert werden: „Wir sprechen hier nicht von einem Urlaub im Kloster, sondern von einem echten Mitleben“, bringt es Koordinatorin Pucher auf den Punkt. „Wer mitmacht, wird zu einem Teil des Konvents, ohne formal an die Gemeinschaft gebunden zu sein. Man nimmt zur Gänze am Ordensleben teil.“

Das „Freiwillige Ordensjahr“ beruht auf vier Säulen:
* Mitleben: regelmäßige Teilnahme an den Gebetszeiten und am Gemeinschaftsleben.
* Arbeit: beruflicher oder ehrenamtlicher Einsatz innerhalb oder außerhalb der jeweiligen Ordensgemeinschaft im Umfang von mindestens 30 Wochenstunden.
* Fortbildung: Reflexion zum Thema Ordensleben an mindestens zwei Tagen pro Quartal.
* Begleitung: zumindest einmal im Monat setzt man mit seiner Vertrauensperson, einem qualifiziertes Ordensmitglied der jeweiligen Ordensgemeinschaft, zusammen.

Das Angebot richte sich sowohl an junge Frauen und Männer, die nach Schulabschluss oder Berufsausbildung oder während des Studiums auf der Suche nach ihrem persönlichen Lebensweg sind. Aber auch Menschen im fortgeschrittenen Alter, die eine Auszeit nehmen oder sich neu orientieren wollen, sind herzlich willkommen. Während man als StudentIn das „Freiwillige Ordensjahr“ unter der Trägerschaft des FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) nach deren rechtlichen Bestimmungen absolvieren kann, wird bei älteren Personen eine individuelle Absprache getroffen.

Die Dauer des Mitlebens bewegt sich zwischen drei Monate und einem Jahr und kann flexibel gehandhabt werden.
Fazit: Viel Begeisterung, aber auch ein bisschen Angst

Eine erste Stimmungsschau unter den anwesenden Ordensfrauen und -männern zeigt, dass die Begeisterung durchaus groß ist. Man sieht das Modell hauptsächlich als Chance, neue Sichtweisen, Perspektiven und Erfahrungen kennenzulernen – und davon zu profitieren. Gleichzeitig verspüre man ein wenig Angst, den Erwartungen nicht gerecht zu werden. Oder den Anforderungen („Wir sind ein kleiner, alter Konvent“) nicht gewachsen zu sein. Mitmachen möchten aber alle.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den Interessentinnen und Interessenten, die für erste Informationen ins Kardinal König Haus gekommen waren. Die hauptsächliche Motivation kristallisiert sich schnell heraus: Die Sehnsucht nach Gemeinschaft und der Wunsch nach einer Veränderung. „Ich habe das Gefühl, dass ich seit Jahren auf der Stelle trete“, erzählt der 45jährige Bernd. „Ich möchte einen Entwicklungsschritt machen.“ Ähnlich sieht es auch die 40jährige Susanne: „Ich arbeite bereits seit einigen Monaten ehrenamtlich in einem Hospiz und überlege, in einen Orden einzutreten. Das Freiwillige Ordensjahr gibt mir die Möglichkeit, sozusagen auf Probe in einem Orden zu leben.“ Auch bei den zukünftigen TeilnehmerInnen liegt ihre größte Angst darin, dass ihre Erwartungen zu groß sind und nicht erfüllt werden können. Doch wie Bernd zum Abschied sagt: „Wenn ich es nicht ausprobiere, werde ich es auch nie wissen.“

Nächste Infotage:

* Mittwoch, 27.04.16, Innsbruck, Kapuzinerkloster, 15.00 Uhr für Ordensleute, 18.00 Uhr für Interessierte
* Donnerstag, 19.05.2016, Graz, Kloster der Grazer Schulschwestern, Georgigasse 84, Graz-Eggenberg, 15.00 Uhr für Ordensleute, 17.00 Uhr für Interessierte

Mehr Infos: www.ordensjahr.at